2007 BSA Journal

November 2007 BSA Journal
Es ist ein besonderer Ort, den ich in Farbe setze

Kunstpreisträgerin Hannelore Schleyer

Auf die Frage, ob sie sich schon in Bad Sooden-Allendorf eingelebt hat folgt elegant die Gegenfrage: „ Sie meinen, ob ich die Menschen hier schon kennen gelernt habe?“ Freundlich, im ersten Moment bescheiden, begegnet sie ihrem Gegenüber und freundlich unterbreitet die zierliche Frau klare Vorstellungen, denen sie in ihren Bildkompositionen ausdrucksstarke Farben und Linien verleiht. Die Linie ist ihr wichtig im Sinne der Kunst.

Dreimonatiger Aufenthalt in BSA
Sei dem 1. August dieses Jahres verweilt die Künstlerin Hannelore Schleyer – Gewinnerin des 1. Kunstpreises BSA 2007 – in der Badestadt und fühlt sich hier sichtlich wohl. Ihr Atelier für das dreimonatige Arbeitsstipendium und auch ihre Unterkunft für die Dauer ihrer Schaffenszeit in Bad Sooden-Allendorf hat sie im Vitra Kurhotel im Ortsteil Sooden gefunden. „Die Menschen hier im Ort empfinde ich als sehr freundlich und im Vitra Kurhotel wurde ich herzlich aufgenommen.,“ sagt die Künstlerin.

„Das sind ideale Arbeitsbedingungen“, schwärmt sie und besinnt sich auf Momente in der Badestadt, die inspirierten für das künstlerische Schaffen, aber auch jene, die Erlebnis waren und bleibende Erinnerung.

Das Erntedank- und Heimatfest ist für sie so eine Erinnerung. Es hat sie fasziniert und zwar nicht nur die prächtig geschmückte Stadt, sondern vielmehr das Lebensgefühl, welches die Allendorfer dieser Tage entwickeln und im tradierten Brauch ausgelassen und gefühlvoll ausleben:“ Sie geben ihr letztes für dieses Fest“, sagt die Kunstpreisgewinnerin. „Und das ist besonders wertvoll!“

In den nun hinter ihr liegenden Monaten hat sich Hannelore Schleyer mit dem hessischen Heilbad, seiner unterschiedlichen Architektur, seiner vielfältigen Geschichte und seiner langen Tradition intensiv auseinander gesetzt. Schon als Kind hat Hannelore Schleyer mit Vorliebe Würfel, Kegel und Rhomben gezeichnet, kein Wunder, das Jahre später das perspektivische Zeichnen und architektonische Formen bevorzugte Themen ihrer künstlerischen Arbeit geworden sind.

Eine Stadt neu entdecken
Sie hat sich aufgemacht – ausgerüstet mit Fotoapparat und Skizzenblock – und in Bad Sooden-Allendorf Motive aufgespürt, die sie in der ihr eigenen kubistischen Stilrichtung interpretiert und auf Leinen umgesetzt hat. Da wurden Motive perspektivisch verändert, Teile vergrößert, in den Vordergrund gerückt, verfremdet oder vernachlässigt – Momentaufnahme und Gefühl. Farben wurden frei gewählt, um Spannung zu erzeugen und immer eigene Stimmungen die Oberhand behalten zu lassen., das sind individuelle Empfindungen im Auge der Künstlerin. „Kunst bedeutet für mich die Gestaltung schöner Dinge, um Freude zu vermitteln. „Ziel ist es dabei, den Betrachter zu bewegen, ihn anzusprechen und dessen Kreativität zu wecken,“ so Hannelore Schleyer. „So ist die Entstehung eines Werkes ein lebendiger Prozess, der wächst und dem man zeitweise ausgeliefert scheint. Es entsteht ein Dialog zwischen mir und dem Motiv, der mich mit Formen und Farben spielen lässt. Dinge wachsen, verändern sich und lösen sich wieder auf, entstehende Überraschungen werden geprüft und akzeptiert oder wieder verworfen.

Ist der letzte Pinselstrich gesetzt, kommt es mir vor, als seien Kinder erwachsen geworden, fertig erzogen, für gut befunden, und fähig um auszuziehen das Leben zu erkunden – sich in Ausstellungen zu produzieren, sich mit anderen zu messen“, so die Künstlerin über ihre Werke, die still und in eigentümlicher Perspektive stehen, die auf Antworten warten, Antworten von anderen – dem Betrachter – dem akzentuiertes, bisweilen gewagtes Farbenspiel begegnet.

Hannelore Schleyer ist angekommen in Bad Sooden-Allendorf, auch wenn sie die Badestadt Ende Oktober wieder verlässt. Und mit ihr ist die Kunst angekommen – nicht nur für sie, sondern für alle. Sie suchte den Dialog und die Auseinandersetzung. Beides hat sie hier gefunden. Ihr „Badestädter Werk“ legt Zeugnis davon ab: Perspektivisch elegante Lösungen trotzen provokativen Farbnuancen, die spielerisch, aber fein konstruiert, Gefühle vermitteln für einen besonderen Ort.

Ausstellung im Kurparkhotel
Die während des dreimonatigen Arbeitsstipendiums entstandenen Werke der Gewinnerin des „Kunstpreises BSA 2007“ – ausschließlich Motive der Stadt Bad Sooden-Allendorf – sind ab Mitte November im Kurparkhotel ausgestellt und käuflich zu erwerben.